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Zuhause

Chapter 26 by Levantin Levantin

Der Weg nach Hause zog sich wie Gummi. Bei jedem Schritt rieb die Jeans unbarmherzig gegen die ohnehin überreizte Haut, sodass ich die Hände tief in den Jackentaschen vergrub, nur um den Stoff irgendwie von mir wegzudrücken. Emmas Parfum schien sich in meinen Klamotten festgesetzt zu haben – süß, nach Rosen und Frühling, ein stummer Vorwurf gegen alles, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte.

Zu Hause angekommen, war die Wohnung totenstill. Vater war noch im Büro, seine Frau vermutlich unterwegs, und von Loona fehlte jede Spur. Ich atmete auf, schälte mich im Flur aus der engen Jeans und streifte mir die graue Pyjamahose über. Sie saß zu eng, aber sie war weich, und für einen Moment fühlte sich die Erleichterung fast gut an. Fast. Denn der dünne Baumwollstoff verdeckte rein gar nichts; die Kontur spannte sich darunter ab, hart und unnachgiebig.

Mein Blick fiel auf den Zettel am Kühlschrank, Loonas saubere, schnörkellose Schrift: *Bad putzen. Gründlich.*

Ein Seufzen entwich mir. Es war lächerlich. Ich hätte einfach ins Zimmer gehen können. Tür zu, Hand an die Hose, zwei Minuten, und dieser ganze verdammte Druck im Kopf wäre weg gewesen. Aber Loonas Stimme saß mir im Nacken, ihr Blick, das strikte Verbot von vor drei Tagen. Sie würde es merken. Irgendwie merkte sie es immer, und der Gedanke daran schnürte mir die Kehle zu – während mein Schwanz im selben Moment noch härter gegen den Stoff pulsierte. Ich hasste es, wie leicht mein Körper auf ihren Befehl ansprach, selbst wenn sie gar nicht im Raum war.

Um den Lärm im Kopf abzustellen, kramte ich die In-Ear-Kopfhörer aus der Tasche, schob sie mir in die Ohren und startete die Playlist. Der neue Track von Fontaines D.C. ballerte los – trockener Bass, treibende Drums, die genau im Takt meines ohnehin viel zu schnellen Pulses schlugen.

Fünf Minuten später kniete ich auf den Fliesen vor der Toilette. Der stechende Geruch von Chlor und künstlicher Zitrone biss in der Nase, während ich mechanisch mit dem Scheuerschwamm über die Ränder fuhr. Es brachte nichts. Die Musik dröhnte, aber die Bilder blieben: Emma, wie sie an diesem verdammten Strohhalm zog und ihre Zunge kreisen ließ; ihr Knie, das unter dem Tisch ganz beiläufig an meinem lag; und direkt dahinter Loona, die die Regeln aufstellte und mich mit einem halben Lächeln auflaufen ließ. Die Erregung war so dicht, dass sich jeder Atemzug schwer anfühlte.

Ich gab auf. Wischte mir mit dem Handrücken über die schweißnasse Stirn, warf den Schwamm mit einem feuchten Klatschen in den Eimer und zog mich am Waschbeckenrand hoch. Die Beule unter der Hose pochte dumpf, spannte das graue Material bis zum Zerreißen. Ich schaltete die Musik nicht ab, brauchte den Beat, um nicht völlig durchzudrehen, und trat gedankenverloren auf den schmalen Flur hinaus.

Ich sah sie nicht. Ich hörte sie nicht.

Der Aufprall kam aus dem Nichts. Ich stieß frontal mit jemandem zusammen, der gerade schwer bepackt aus der hinteren Abstellkammer getreten war. Es gab ein hässliches, metallisches Scheppern, als das Saugrohr auf das Parkett knallte, ein erschrockenes Keuchen – und Arisa verlor den Halt.

Sie stolperte über das verhedderte Kabel, kippte nach vorn und griff im Fallen reflexartig nach dem Einzigen, was greifbar war.

Nach mir.

Ihre Finger bohrten sich mit vollem Gewicht in den elastischen Bund meiner Hose, zogen den Stoff ein gutes Stück nach unten und rissen mich halb mit. Für zwei Sekunden stand die Welt einfach still. Arisa kniete halb vor mir auf dem Boden, den Kopf so nah an meinem Schritt, dass ich die Hitze spüren konnte. Mein steifes Glied zeichnete sich durch den verzogenen, dünnen Stoff fast vollständig ab, pulsierte sichtbar im Takt des Basses, der mir noch immer über die Hörer in die Ohren dröhnte.

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Das Blut, das ohnehin schon knapp im Kopf war, schoss mir mit voller Wucht in die Wangen und ließ meine Ohren glühen.

„Scheiße – tut mir leid!“, stammelte ich, riss mir die Kopfhörer aus den Ohren, dass das Kabel surrte, und packte sie hastig an den Schultern, um sie hochzuziehen. „Ich hab… ich hab Musik gehört, ich hab dich überhaupt nicht kommen sehen. Alles gut bei dir?“

Arisa fing sich bemerkenswert schnell. Sie ließ sich hochhelfen, strich sich mit geübter Gelassenheit über den Rock und musterte mich. Kein Ärger. Nicht mal wirkliche Überraschung. Stattdessen lag da dieses amüsierte, viel zu wache Funkeln in ihren Augen. Sie musterte mich von oben bis unten, blieb eine halbe Sekunde zu lang an meiner Hose hängen, trat dann einen Schritt vor und legte mir die Arme um die Schultern. Eine kurze, mütterliche Umarmung, die mich noch mehr aus dem Konzept brachte.

„Alles gut, John. Tief durchatmen“, sagte sie leise und klopfte mir beruhigend auf den Rücken, während ich krampfhaft versuchte, mein Becken nach hinten zu schieben, bloß keinen Kontakt zu riskieren. „Ist doch nichts iert.“

Kaum dass sie mich losließ, murmelte ich noch eine halbgare Entschuldigung, drehte mich auf den Fersen um und machte fast im Laufschritt kehrt Richtung Zimmer. Nur weg. Nur die Tür zubekommen.

*Klatsch.*

Der Schlag traf mich trocken und treffsicher auf den Hintern.

Ich zuckte zusammen, als hätte man mir einen Stromstoß vert, und drehte den Kopf herum. Arisa stand am Staubsauger, hatte den Griff schon wieder locker in der Hand und sah mich mit einem schiefen, wissenden Grinsen an.

„Vergiss nachher nicht, deinen Papiereimer auszuleeren“, sagte sie ganz beiläufig, aber der spöttische Unterton schnitt messerscharf durch die Luft. „Und falls dir die Taschentücher ausgegangen sein sollten: Vorne in der Kammer steht noch eine frische Packung ganz oben im Regal.“

Sie wandte sich ab, schaltete den Sauger ein und zog brummend in Richtung Wohnzimmer davon, als wäre überhaupt nichts gewesen.

Ich brauchte drei Sekunden, um wieder atmen zu können. Die Scham brannte so heiß in meiner Kehle, dass ich fast erstickte. Ich stolperte ins Zimmer, warf die Tür hinter mir zu, drehte den Schlüssel um und lehnte mich mit dem Rücken gegen das Holz, während mein Herz wie verrückt gegen die Rippen hämmerte.

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